Frauenherzen schlagen anders!
Warum Herzkrankheiten bei Frauen anders sind als bei Männern
Herzkrankheiten gelten oft als „Männersache“ – doch dieser Mythos ist nicht nur medizinisch falsch, sondern auch gefährlich. Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen, und gerade weil sie bei Frauen oft anders verlaufen und wahrgenommen werden als bei Männern, werden sie häufig zu spät erkannt oder falsch diagnostiziert.
1. Frauen erleben andere Symptome – und sie werden oft übersehen
Das wohl wichtigste Missverständnis betrifft die Symptome eines Herzinfarkts bzw. einer koronaren Herzkrankheit: Während bei Männern klassischerweise starke Schmerzen in der Brust und ein Gefühl von „drückender Enge“ dominieren, zeigen viele Frauen andere oder zusätzliche Warnsignale.
Laut einer großen US-Studie (McSweeney, J. C et al. Women’s early warning symptoms of acute myocardial infarction. Circulation) zu frühen Warnzeichen bei Frauen treten beim Herzinfarkt häufig folgende Beschwerden auf:
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Schwäche bzw. allgemeine Erschöpfung
- Ungewöhnliche Müdigkeit
- Schlafstörungen
Und bei akuten Ereignissen hatten 43 % der Frauen keinen ausgeprägten Brustschmerz, der klassisch bei Männern gilt.
Die Mayo Clinic bestätigt, dass Frauen häufig Zusatzsymptome wie Schmerzen im Nacken, Rücken, Kiefer oder Oberbauch, Übelkeit, Schwindel oder sogar Verdauungsbeschwerden berichten, die nicht sofort mit einem Herzereignis assoziiert werden.
Diese „unspezifischen“ Symptome führen oft dazu, dass Frauen ihre Beschwerden selbst nicht ernst nehmen oder medizinisches Personal zunächst an harmlose Ursachen denkt – etwa Stress, Magenprobleme oder Müdigkeit.
2. Herzkrankheit bei Frauen verläuft oft untypisch
Ein weiterer Grund, warum Herzkrankheiten bei Frauen anders sind, liegt in der Art, wie sich die Erkrankung entwickelt:
- Frauen entwickeln Herzkrankheiten meist etwa ein Jahrzehnt später als Männer. Das hängt unter anderem mit dem schützenden Einfluss von Östrogenen vor den Wechseljahren zusammen, der Gefäßverkalkung („Atherosklerose“) verzögert.
- Trotzdem ist bei Frauen nach den Wechseljahren das Risiko stark erhöht, und sie haben nach einem Herzinfarkt schlechtere Überlebenschancen – unter anderem weil Symptome oft spät erkannt werden.
Zudem zeigen manche Frauen keine klaren Blockaden der großen Herzkranzgefäße, sondern eher Störungen in kleinen Gefäßen (Mikrozirkulation). Diese „small vessel disease“ kann ohne große Veränderungen in einer Standard-Angiographie bestehen bleiben, die Diagnose verzögern oder erschweren.
3. Biologische Unterschiede beeinflussen Symptome und Diagnostik
Herz und Gefäße von Frauen unterscheiden sich in mehreren biologischen Aspekten von denen der Männer:
- Herzgröße und Anatomie: Das weibliche Herz ist im Durchschnitt kleiner, die Gefäße fein verzweigter, was die Symptomatik und auch die Sichtbarkeit in diagnostischen Tests beeinflusst.
- Veränderungen nach der Menopause: Sinkende Östrogenspiegel begünstigen Entzündungsprozesse und die Entwicklung von Herzkrankheiten.
- Unterschiedliche Warnzeichen: Studien zeigen, dass Frauen häufiger mehr und vielfältigere Beschwerden vor einem Herzereignis haben als Männer, was die Interpretation durch medizinisches Personal komplizierter macht.
4. Wahrnehmung und Behandlung – gesellschaftliche und medizinische Faktoren
Noch immer spielen Bewusstsein und Ausbildung eine große Rolle:
- Viele Frauen selbst halten Herzkrankheiten für ein „Männerproblem“. Dadurch wird das Risiko unterschätzt, und Warnzeichen werden seltener ernst genommen.
- Auch medizinisches Personal hat historisch gesehen Herzkrankheiten bei Frauen weniger gut verstanden – zum Teil, weil Frauen in kardiologischen Studien lange unterrepräsentiert waren.
Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Frauen im Durchschnitt später in die Notaufnahme kommen, was die Zeit bis zur Behandlung verzögert und die Prognose verschlechtert.
Eine neue Studie, durchgeführt mit der MEDIACC, zeigt nun, dass künstliche Intelligenz helfen kann, diese Unsichtbarkeit aufzubrechen.[5]
Die Erkenntnisse:
- Überlegenheit gegenüber Standards: Während klassische Scores wie der CVRF-Score Risikofaktoren addieren, „sieht“ der CSG-Index Muster, die in den Daten verborgen sind.
- Gerade bei Frauen schnitt er in der Studie signifikant besser ab. Unsichtbares sichtbar machen: Besonders bemerkenswert war die Früherkennung bei symptomfreien Frauen. Das heißt: Auch ohne Beschwerden ließ sich eine Herzschwäche oder Gefäßveränderung voraussagen.
Dies gerade auch wenn das herkömmliche EKG unauffällig ist. Die Cardisiographie zeigte eine überlegene Genauigkeit bei der Erkennung kardiovaskulärer Risiken, insbesondere bei asymptomatischen Frauen.
Was steht in einem Cardisiographie-Report:
- Ischemia Index (CSG-Ischämie-Index / „P“)
- Structural Heart Disease Index (CSG-SHD / „S“)
- Arrhythmia Index (A)
Daneben: ausgewählte VCG-Parameter (QRS-T Winkel, QRS-Dauer, T-Wave-Metriken), 12-Kanal-EKG-Ansicht plus extended leads Ableitungen: erweiterte linksseitige Ableitungen V7-V9 und die rechtsseitigen Ableitungen Vr3-Vr6 (ESC-Guideline-Empfehlung von 2023), Vektor-Loops.
Hilfreichere Technologien in diesem Bereich, wie CT oder MRT, sind aufwändig und zu teuer, um sie prophylaktisch einzusetzen. Die Cardisiographie wurde als Entscheidungshilfe für die frühe Diagnosephase speziell dafür entwickelt, um die Herzkrankheiten früh zu detektieren, die bei herkömmlichen EKG-Untersuchungen nicht auffallen.
Cardisiographen erfüllen die Normen und Richtlinien nach EN 55032:2015 Class B, EN55024:2010+A1:2015, 47 CFR Part 15.
5. Was Frauen (und alle) wissen sollten
Herzkrankheiten erkennen: Herzinfarkt ist nicht immer „starke Brustschmerzen“ – bei Frauen können Symptome wie Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit oder Rückenschmerzen im Vordergrund stehen.
Schnelle Reaktion zählt: Egal ob klassisch oder atypisch – bei Verdacht auf Herzkrankheit sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.
Risikofaktoren angehen: Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und Stress erhöhen bei Frauen das Herzrisiko besonders stark.